Karl Rueff
Opfergruppe T4
Karl Rueff war ein Kaufmannssohn aus Ulm, der als Kriegsfreiwilliger im ersten Weltkrieg infolge einer schweren Verwundung im Juni 1918 eine posttraumatischen Belastungsstörung erlitt. Er wurde gewalttätig, war depressiv und hochgradig suizidgefährdet. Wiederholt versuchten seine Eltern aufopferungsvoll, ihn in ihrem extra umgebauten Haus mit Hilfe eines Vollzeitpflegers selbst zu betreuen. Doch seine Psychose war zu stark. Schließlich blieb den Eltern nichts anderes übrig, als ihn im Juli 1924 in die Heilanstalt nach Schussenried zu bringen. Sechzehn Jahre später trug der beaufsichtigende Arzt am 17. Juni 1940 in Rueffs Krankenakte ein: „ Leer, dement…Zeigt kein Interesse. Endzustand.“ Das bedeutete auf dem Hintergrund der damals gerade laufenden T4-Aktion der nationalsozialistischen „Euthanasie“-Morde für Rueff das Todesurteil. Am 18. Juni 1940 stand er auf der Liste der Patienten, die mit dem Transport nach Grafeneck gebracht und noch am selben Tag dort mit Gas ermordet wurden.
Karl Rueff ist ein Beispiel für die Tatsache, dass das Leben selbst von verdienten Veteranen der Ersten Weltkriegs bei den Nationalsozialisten nichts mehr galt, wenn diese unter den psychischen Folgen ihrer „Verdienste für das Vaterland“ litten.
Künstlerin: Kathrin Landa
2002-2009: Studium in Leipzig bei Sighard Gille und Meisterschüler-Studium bei Annette Schröter
2015: Initiatorin des MalerinnenNetzWerks Berlin-Leipzig
2018: Lehrauftrag bei der Pädagogischen Hochschule Weingarten
Lebt und arbeitet in Berlin.
Technik Portrait: Öl/Acryl auf Leinwand, 2016