Mordechai Gebirtig
Jüdisches Widerstehen
Mordechai Gebirtig genoss eine traditionelle jüdische Erziehung in seiner Geburtsstadt Krakau.
Von Beruf Tischler komponierte er Lieder und dichtete dazu Texte in seiner jiddischen Muttersprache. Seine Lieder beschreiben das Leben der kleinen Leute in Kazimierz, dem jüdischen Stadtteil Kraukaus, von der Zeit vor dem Krieg bis hin zum Holocaust. Anlässlich polnischer antisemitischer Ausschreitungen schrieb Gebirtig 1938 die Schreckensvision „S‘ brent, Brider, s‘ brent“, ein Lied, in dem er die Juden zum Widerstand aufruft. So wurde dieses Lied während der deutschen Besatzung in Polen ein wichtiges Lied der Widerstandskämpfer.
Mordechaj Gebirtig nahm aktiv an der Widerstandsbewegung des Krakauer Ghettos teil. Bei einer Aussiedlungsaktion am 4. Juni 1942 wurde er bei der Vernichtung des Ghettos auf offener Straße von einem deutschen Besatzungssoldaten erschossen. Seine Lieder zeigen auf liebevolle Weise die jüdische Welt Osteuropas, die durch den Holocaust völlig vernichtet wurde. Sie sind bedeutsam für die Kultur des Erinnerns. Das Lied „S‘ brent, Brider, s‘ brent“ wurde zu einem der bekanntesten und am häufigsten bei Holocaust-Gedenkveranstaltungen gesungenen Lieder.
Künstler: Hartmut R. Berlinicke
*1942 in Berlin
Dipl. Religionspädagoge; Magister für Kulturwissenschaft; 1986 – 2005 Lehrbeauftragter für Medienpädagogik; an der Evangelischen Fachhochschule Hannover; Lehraufträge an der Universität Osnabrück
Portrait Technik: Farbaquatintaradierung, 2016