Hermann Levinger
Opfergruppe Suicidanten
Hermann Levinger stammte aus einer jüdischen Familie aus Karlsruhe, konvertierte aber schon während seines Jurastudiums zum Protestantismus. In seiner Tätigkeit am Bezirksamt in Überlingen von 1898 bis 1902 und von 1908 bis 1930 – seit 1924 als Landrat – bewirkte er viel Positives in der Stadt Überlingen und im Landkreis, u.a. gehörte er zu den Mitbegründern der Unteruhldinger Pfahlbauten. Im September 1930 trat Levinger hochgelobt in den Ruhestand und zog nach Wiesbaden.
Obwohl er konvertiert und christlich verheiratet war, galt er für die Nationalsozialisten als Jude, seine Tochter Barbara Levinger als Halbjüdin. Er musste nun nach dem Tod seiner Frau erleben, dass seine Verdienste am Bodensee öffentlich negiert wurden, er materiell
ausgeplündert wurde, seine Tochter als Schauspielerin Auftrittsverbot bekam und zur Zwangsarbeit herangezogen wurde. Als den beiden die Deportation nach Auschwitz bevorstand, nahmen sich Hermann und Barbara Levinger im Dezember 1944 mit Gift das Leben – wie mehrere tausend Juden auch. Ihr Motiv war nicht nur das Ausweichen vor wohl noch schmerzvollerem Schicksal, sondern auch die Bewahrung von Würde und Selbstbestimmung.
Künstlerin: Sigrun C. Schleheck
*1948 in Heilbronn
Studium an der Freien Kunstschule Nürtingen,
Freischaffende Malerin seit 1979, lebt in Überlingen Nesselwangen,
Mitglied im Künstlerbund Baden-Württemberg
Portrait Technik: Öl auf Leinwand, 2016
Leihgabe Kunstsammlung Bodenseekreis