Naphtali Berlinger
Jüdisches Widerstehen
Naphtali Berlinger wuchs als Sohn eines Rabbiners im Kochertal auf. 1908 kam er als Lehrer nach Buttenhausen bei Münsingen, wo er an der staatlich anerkannten jüdischen Schule unterrichtete.
In der kleinen jüdischen Gemeinde versah er auch die Ämter des Rabbiners, des Vorsängers in der Synagoge, des Schächters und des Beschneiders.
Im Juli 1933 wurde die jüdische Volksschule von den Nationalsozialisten geschlossen und der bis dahin – auch wegen seines naturkundlichen Engagements – allseits hoch angesehene Berlinger entlassen. Im Rabbinatsgebäude unterrichtete er aber weiterhin die jüdischen Kinder privat. Nach dem Scheitern eines Auswanderungsversuchs 1939 lehnte es Berlinger später – angesichts der Verfolgungen und Deportationen – kategorisch ab, seine verbliebene Gemeinde allein zu lassen („Ich bleibe bei meiner Gemeinde, bis kein Jude mehr da ist.“)
Während seine acht Kinder alle rechtzeitig ins Ausland emigrierten, teilte er bis zuletzt das Schicksal seiner Glaubensgenossen. Am 22. August 1942 begleitete er die letzten 64 Buttenhausener Juden mit großem Gottvertrauen auf dem Transport in das Ghetto Theresienstadt.
Dort starb Naphtali Berlinger im Februar 1943 im Alter von 66 Jahren.
Künstlerin: Marlis Glaser
*1952 in Baltringen (Oberschwaben)
Hochschule für Gestaltung Bremen, Malerei bei Prof. Rolf Thiele;
Akademie der Künste Hamburg; seit 1984 freischaffend als Künstlerin; Ausstellungen in Deutschland, Frankreich, Holland, Dänemark, Schweden, Israel, USA und der Schweiz
Technik Portrait: Öl auf Leinwand, 2016