Hannah Arendt
Geistiger Widerstand
Hannah Arendt entstammte einer säkularen jüdischen Familie. Keiner Religionsgemeinschaft angehörig, sah sich die Philosophin trotzdem immer als Jüdin. 1933 beherbergte sie vorübergehend Flüchtlinge in ihrer Berliner Wohnung und wurde im Juli 1933 für acht Tage von der Gestapo inhaftiert.
Sie verachtete die schnelle freiwillige „Gleichschaltung“ der meisten deutschen Intellektuellen in dieser Zeit und brach zu einigen von ihnen den Kontakt ab – in der Meinung, dass wenigstens ein ablehnendes Schweigen zu verlangen sei. Nach ihrer Inhaftierung emigrierte Arendt nach Paris und floh 1941 vor den Nationalsozialisten nach New York. In den USA lehrte Arendt ab 1953 als Hochschullehrerin und veröffentlichte wichtige Beiträge zur wissenschaftlichen Verarbeitung der NS-Zeit, z.B. die Aufarbeitung der NS-Verbrechen, über das Wesen totaler Herrschaft und die persönliche Verantwortung im totalitären Staat. Auf Grund ihrer Beobachtungen als Reporterin im Eichmann-Prozess 1961 in Jerusalem, in dem sie Eichmann als einen karrieresüchtigen, gedankenlosen Täter ohne teuflisch-dämonische Tiefe wahrnahm, formulierte sie die These von der „Banalität des Bösen“.
Kritiker betonten später – auch auf der Basis neuer Quellen -, dass Arendt Eichmanns Verschleierung seiner Rolle bei der Judenvernichtung nicht durchschaut und seinen fanatischen Antisemitismus nicht erkannt habe. Andererseits wurde ihre These allgemein gegenüber der „Pathologisierung der Täter“ oft als besserer Erklärungsversuch für das Handeln vieler NS-Täter angesehen. Auf Grund ihres eigenständigen Denkens waren ihre Publikationen und politischen Stellungnahmen geschätzt, häufig aber auch unter Juden und Freunden umstritten – z.B. ihre Kritik an der Kooperation der Judenräte bei der Judenvernichtung und ihre Kritik am Zionismus. 2005 zählte Ralf Dahrendorf Hannah Arendt mit Einschränkungen zu den wenigen eigenständigen humanistischen und freiheitlichen Denkern des 20. Jahrhunderts.
Künstlerin:Rebecca Marent
*1984 in Schruns/Österreich, wohnhaft in Bremen. Freikünstlerisches Studium im Rahmen einer Kunsttherapie-ausbildung bei Prof. Robert van de Laar; seit 2004 freikünstlerisches Arbeiten in Bremen
Portrait Technik: Acryl auf Leinwand, 2016
Leihgabe des Freundeskreises des Hannah Arendt Instituts